Theologische Fragen

Bibelübersetzungen: echt oder gefälscht?
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Früher gab es nur eine Bibel, die lateinische Vulgata. Fehler in der Übersetzung konnte man daher nicht finden. So wird heute noch von der Kirche behauptet, Jesus, der Verkünder des Neuen Testaments, sei Gott. Steht das in der Bibel?

Die im Mittelalter allein erlaubte Bibel, die „Vulgata“, übersetzte der Kirchengelehrte Hieronymus ab dem Jahre 382 aus dem Hebräischen und Griechischen ins Lateinische. Dabei hat er auf Anraten des Papstes falsche Übersetzungen eingebaut, und zwar:

1) um die Trinitätslehre, insbesondere die Göttlichkeit Jesu, einzufügen,

2) um Göttinnen, besonders Jehovas Partnerin Aschera, herauszuhalten.

Die Vulgata, welche ich hier verwende, ist eine Ausgabe der sog. „Clementina“ von 1965. In ihr sind neue Übersetzungen der Psalmen, da die alten zu wenig wörtlich waren. Doch immer noch sind grobe theologische Fehler, richtiger gesagt, Fälschungen, enthalten. Die schwerwiegendsten will ich im folgenden kurz nennen und auch auf Fälschungen in deutschen Bibeln eingehen.

Altes Testament:

dort steht weder, daß Jesus Gott sei noch kommt er vor.Was macht man also? Man schreibt das einfach hinein!

Das tat Hieronymus bei Habacuc 3,18 und fälschte dreist, indem er schrieb: Et exultabo in Deo Iesu meo (= „Ich werde in meinem Gott Jesu jauchzen“ statt: Et exultabo in Deo meo = „Ich werde in meinem Gott jauchzen“). Sicher ist durch diese Stelle die Vergöttlichung Jesu (Apotheosis) am stärksten bei der Kirche verankert worden, da man kein andere Bibel als diese Vulgata kannte und nun aus der Lektüre erfuhr, daß Jesus schon im alten Testament erwähnt und gleichzeitig mit Gott gleichgesetzt wurde.

Weitere Stellen, bei denen Hieronymus fälschlich Jesum vergöttlichte, indem er falsch übersetzte: Egressus es ... in salutem cum Christo tuo statt cum uncto tuo (Luther: du zogest aus, ... zu helfen deinem Gesalbten), Hab 3,13. Da das griechische Christo statt des lateinischen uncto erscheint, muß der Leser darauf gebracht werden, daß Jesus und nicht ein anderer Gesalbter gemeint ist, und so ist diese Stelle damit gewaltsam uminterpretiert worden.

Auch hat Hieronymus bei Isaias 9,6 falsch übersetzt: Et vocabitur nomen eius: Admirabilis, Consiliarius, Deus ..., so daß der zu erwartende Messias als Gott (deus) bezeichnet wird. Luther hat dagegen statt Deus = „Gott“ übersetzt mit „Kraft“: „Er heißt Wunderbar, Rat, Kraft ...“.

Richter 6, 25 übersetzte Luther richtig „haue ab das Ascherabild.“, Hieronymus ließ Aschera jedoch weg und schrieb: et nemus, quod circa aram est, succide („und hau den Hain um, der um den Altar ist“). Durch das unpersönliche Wort nemus (Hain) kann man nicht erkennen, daß Gedeon das Standbild der obersten Göttin vernichten soll. Im Übrigen ließ Hieronymus die Göttin Aschera im gesamten Alten Testament weg, um fromme Römerinnen, die sie mit der geliebten Juno gleichsetzten, nicht zu erschrecken.

Dagegen hat Hieronymus Gen. 6,1 richtig übersetzt filii Dei (Söhne Gottes), nicht wie Luther falsch „Kinder Gottes“.

Beim Decalog („10 Gebote“) übersetzte Luther stets falsch mit „du sollst nicht“ statt „du wirst nicht“. Hieronymus war da korrekt, z. B. non occides = du wirst nicht töten. Auch die Übersetzung des status constructus im Hebräischen hat er meist besser geleistet, z. B. ego sum qui sum = „ich bin, der ich bin“ statt des „ich werde sein, der ich sein werde“, wie Luther übersetzte (Exod. 3,14).

Hieronymus übersetzt Deut. 21,23 richtig: maledictus a Deo est qui pendet in ligno; Luther ungenau: „ein Gehenkter ist verflucht bei Gott“statt „wer am Holz (Kreuz) hängt“.

Auch hat Hieronymus erotische Stellen richtiger übersetzt als Luther: z. B. Cant.Cant. 7,12: Ibi dabo tibi ubera mea. („Dort werde ich dir meine Brüste geben“). Luther: „da will ich dir meine Liebe geben“ (Hohelied Salomos 7,12). Auch die Einheitsübersetzung hat noch „Liebe“ statt des im Original befindlichen „Brüste“.

Neues Testament:

Jesus selbst sah sich nie als Gott, sondern nur als Sohn des Gottes Jehova/Jahweh. Er will, daß sein „himmlischer Vater“ angebetet werde, nie er selbst. Auf die Anrede „guter Rabbi“ antwortet er: „Was heißest du mich gut? Niemand ist gut denn Gott allein.“ (Matth 19,17): Τί με καλεῖς ἀγαθόν; Οὐδείς ἐστιν ἀγαθὸς ἢ μὴ εἷς ὁ Θεός. Luther hat falsch übersetzt: „denn der einige Gott“. Damit spielte Luther auf die Trinität an. Noch falscher ist die Vulgata-Übersetzung des Hieronymus. Sie übersetzt Quid me interrogas de bono? („Was fragst du mir über das Gute?“) statt Quid me dicis bonum?

Auch bei Luc 1,35 fälscht Hieronymus, indem er nicht übersetzt, daß im Griechischen an der Stelle, wo heiliger Geist über Maria kommen soll, dort der Artikel fehlt: πνεῦμα ἅγιον ἐπελεύσεται ἐπὶ σέ...; er übersetzt Spiritus sanctus superveniet in te, und läßt offen, ob der oder ein heiliger Geist gemeint ist. Genau wäre es gewesen, wenn er übersetzt hätte: Spiritus sanctus quidam... Luther, der aus der Vulgata übersetzte, hat gänzlich falsch übersetzt: „Der heilige Geist wird über dich kommen...“

Eine nachträgliche Einfügung findet sich in der Vulgata im 2. Petrusbrief: Dort heißt es: „Hic est filius meus dilectus, in quo mihi complacui, ipsum audite.“ Der Zusatz ipsum audite ,hört ihn selbst‘ fehlt im griechischen Original.

Stets korrekt ist dafür die Hieronymus-Übersetzung, wenn es um das Wort agápe ἀγάπη = Nächstenliebe geht. Hieronymus übersetzt meist mit caritas, einmal mit dilectio (Auswahlliebe). Die deutschen Bibeln, die noch pietistisch denken, übersetzen es ungenau mit „Liebe“.

Trotz der Fälschungen ist aber die Hieronymus-Übersetzung des Neuen Testaments die genaueste und wörtlichste, die es überhaupt gibt. Schon durch die Ähnlichkeit des Griechischen mit dem Latein ist eine genauere Übersetzung nicht möglich. Auch handelt es sich bei beiden um beinahe zeitgleiche Versuche, die nicht genau überlieferten Worte Jesu wiederzugeben. Einmal gibt es sogar eine interessante Stelle, wo die Vulgata die Kirchenlehre, daß Joseph nicht Jesu Vater sei, ablehnt: Lucas 2,33: „et erat pater eius...“ = „und sein Vater war..“, wo der griechische Text von „Joseph“ spricht: Καὶ ἦν Ἰωσὴφ ...

Statt rotam nativitatis nostrae (τὸν τροχὸν τῆς γενέσεως) = „das Rad unserer Geburt“ (Jac. 3,6) 4 übersetzte Luther: „allen unseren Wandel“ und ließ die Anspielung auf die Wiedergeburt weg.

Luther übersetzte Apg. 16,7: „sie versuchten, nach Bythinien zu reisen, und der Geist ließ es ihnen nicht zu.“ (ἐλθόντες δὲ κατὰ τὴν Μυσίαν ἐπείραζον εἰς τὴν Βιθυνίαν πορευθῆναι (πορεύεσθαι), καὶ οὐκ εἴασεν αὐτοὺς τὸ πνεῦμα Ἰησοῦ.) In Wirklichkeit heißt die Stelle aber: „sie versuchten, nach Bythinien zu reisen, und der Geist Jesu ließ es ihnen nicht zu.“ Luther hat also vermutlich nicht begriffen, daß Jesus eventuell als Toter gerufen wurde und sich in einer Séance meldete. Oder es war so, daß sich Jesus von selbst so bei Paulus meldete wie bei der berühmten Stelle, wo er hört: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich?“ Die Vulgata hat richtig: cum venissent autem in Mysiam, temptabant ire in Bithyniam, et non permisit eos spiritus Iesu.
Da Paulus in der Bibel der einzige ist, der die Anrufung von Geistern als besonders wichtig herausstellt, sollt man diese Stelle, die meist unbekannt ist, nicht außer acht lassen. Die neue Einheitsübersetzung hat sie Gott sei Dank richtig übersetzt.

Auch haben moderne Übersetzungen oft dem Zeitgeist geschuldete Fehler. Der schlimmste ist in der Einheitsübersetzung, wo statt „verschnitten“ (kastriert) „zur Ehe unfähig“ steht: „Denn einige sind von Geburt an zur Ehe unfähig; andere sind von Menschen zur Ehe unfähig gemacht; und wieder andere haben sich selbst zur Ehe unfähig gemacht um des Himmelreichs willen. Wer es fassen kann, der fasse es!“ (Mt 19,12). Die Vulgata hat richtig: sunt eunuchi, qui se ipsos castraverunt... = „Es gibt Eunuchen, welche sich selbst kastriert haben um des Himmelreiches willen“, und auch die Luther-Bibel spricht richtig von „verschnitten“.

 

Dipl.-Ing. Gerhard Helzel, Timm-Kröger-Weg 15, D-22335 Hamburg, Tel. 040-505374.Seitenanfang

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