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Hugo Rüter

Neu: ! Rüters 2. Symphonie in B-dur auf CD erhältlich (s. unten).

Hugo Rüter, der bedeutendste Wandsbeker Komponist, wurde am 7. September 1859 in Hamburg geboren, und zwar ganz in der Nähe des „Michel“ in der 2. Jacobstraße 6. Diese Straße ist nicht mehr vorhanden, sondern nur noch die ehemalige 1. Jacobstraße, heute Jakobstraße. Sein Vater Christian war Werkmeister in einer Segelmacherei am Hafen. Die Familie wohnte bei dem Bruder der Mutter Rüters, Eduard Schierwater. Er betrieb dort eine Krämerei und ein Kohlengeschäft. Rüters Mutter Emilie, geborene Schierwater, schneiderte für eine Mäntelfabrik Heimann in Berlin. Hugo Rüter hatte zwei Geschwister, Adolf und Olga. Durch die nahe Michaeliskirche war er schon seit früher Kindheit mit der Musik in Berührung gekommen. Ganz benachbart war die Englische Kirche am Zeughausmarkt (heute noch vorhanden) und die erste Hamburger Baptistenkirche, welche 1943 vernichtet wurde. Die Eltern zogen einige Jahre nach seiner Geburt in die angrenzende Böhmkenstraße um, und Rüter besuchte die Schule in der Mühlenstraße (heute: Gerstäckerstraße), wo ihn die Tochter des alten Schulmeisters Peemöller unterrichtete und wo auch zwei weitere Brüder seiner Mutter wohnten. Wie aber kamen die Rüters nach Wandsbek? Die Firma der Mutter Rüters zog wegen zollrechtlicher Vorteile nach Wandsbek um. So mußte zuerst die Mutter nach Wandsbek umziehen, und der Vater folgte bald darauf nach, mußte aber dafür die Segelmacherei aufgeben, weil der Hafen zu weit entfernt war. Die Familie wohnte zuerst Ecke Von-Bargen-Wandsbeker Zollstaße, wo sie einen Garten hatte und Haustiere hielt. Ein Freund riet Vater Christian, doch eine Fischräucherei in Wandsbek zu eröffnen. Da gab es zu der Zeit kein solches Geschäft, und so begann Christian Rüter, das Handwerk des Fischräucherns zu lernen. Er mietete dazu erst das Haus Nr. 3 in der Kampstraße.

Hugo Rüter besuchte dort zuerst die Schule, welche in einem Hintergebäude der Küsterei in der Lübecker Straße gegenüber der Kirche lag. Aus demselben Schulgebäude hatte wohl einst Matthias Claudius seine Rebecca geholt. Dann ging Rüter auf die 1868 gegründete Mittelschule am Lärmberg. Nach der Konfirmation im Jahre 1873, mit 14 Jahren, ging er von der Schule und begann auf Anraten seines Lehrers Scheibler eine Ausbildung für den Lehrberuf. Eine Anstellung als Präparand erhielt er mit 15 Jahren an der evangelischen Kirchenschule in Hamm (an der Hammer Landstraße, Ecke Hübbesweg), welche bis 1877 bestand. Von dieser Schule ist heute nichts mehr zu sehen, sie wurde wahrscheinlich im letzten Kriege zerstört. Rüter lernte Geige und spielte diese gern in der Pause auf dem Schulhofe. Mit fünf weiteren Präparanden zusammen schlief er in einem großen Zimmer. Das Essen erhielten sie beim Hauptlehrer. Er mußte die unterste Klasse mit 70 Schülern, Knaben und Mädchen, unterrichten. Erst mit 15 Jahren lernte er dann auch Klavier. Rüter zeigte sich besonders begabt im Gesangsunterricht. Mit 17 Jahren meldete er sich daraufhin beim Direktor des Conservatoriums, Prof. Julius von Bernuth (Abb. rechts) an und bestand die Aufnahmeprüfung. Daraufhin war Rüter von 1876—1882 Schüler bei Carl Georg Peter Graedener, Hugo Riemann, Karl F. Armbrust, Carl Louis Bargheer und Heinrich Degenhardt. 1880 schuf er seine 1. Symphonie in cis-moll. Seine Freundin Franziska Lewis, die mehrere Sprachen beherrschte und eine gute Klavierspielerin war, veranlaßte, daß diese für Klavier gesetzt wurde. Leider ist das Original verbrannt und der Klavierauszug verschollen. Das von Bernuthsche Conservatorium befand sich damals in der Wexstraße 15, Erdgeschoß (viel später erst in der Großen Theaterstraße im Hause des Klavierfabrikanten Börs); bei einem der dort abgehaltenen Konzerte lernte er 1883 seine Frau Caroline Garzmann, eine Freundin seiner Schwester Olga, kennen. Statt Franziskas heiratete er diese, und zwar am 12. November 1885 in der Villa Jüthornstraße 16, Ecke Ernst-Albers-Straße, die dem damals international bekannten, musikliebenden Mikroskopiker Curt Rodig gehörte, dessen Präparate in die ganze Welt hinausgingen. Dort hatte Rüter schon als Junggeselle ein Jahr lang gewohnt. Die Neuvermälten zogen in die damalige Lübeckerstraße 144, heutige Wandsbeker Zollstraße. Rodig hatte drei Töchter, die Rüter unterrichtete, eine davon Cellistin. Die Villa wurde vermutlich 1943 durch Fliegerbomben vernichtet. (Die heutige Numerierung der Jüthornstraße stimmt nicht mit der damaligen überein.) Rüters Schwester Olga heiratete den Besitzer des bekannten Wandsbeker Ballhauses Reisner, einen Herrn Reisner.

Unter den Schülern des Konservatoriums hatte Rüter zwei Freunde: Der eine, Gustav Effe, war blind, der andere, August Nölck (1862-1928), geboren in Lübeck, schuf über 250 Werke, die ab und zu auch heute noch gespielt werden. Darunter sind auch zwei Konzerte. Besonders bekannt ist seine Schule für Cello. Nölck heiratete Rüters erste Freundin Franziska Lewis.

Die Einnahmen aus Vater Christian Rüters Fischgeschäft waren so ansehnlich, daß er bald das Nachbarhaus Nr. 4 in der Kampstraße bauen konnte. Dort befindet sich heute eine dreischenklige Grünfläche zwischen den beiden Straßen. Schließlich baute Christian Rüter noch die beiden Häuser Kampstraße 84 und 85 genau gegenüber. Dort zog er mit dem Fischgeschäft ins Erdgeschoß und Hugo 1887 mit seiner Frau in den 1. Stock, wo sie 56 Jahre lebten. An der gleichen Stelle befindet sich heute der Eingang der Sporthalle Wandsbek. Von 1897 bis 1925 wirkte Hugo Rüter in Wandsbek als Gesangslehrer am Matthias-Claudius-Gymnasium und an der Realschule. 1913 wurde er zum Königlichen Musikdirektor ernannt. Durch den bei der „Operation Gomorrha“ erfolgten 3. Bombenangriff auf Hamburg in der Nacht des 30. Juli 1943 durch 756 britische Kampfbomber wurde neben einem großen Teil der Stadt Wandsbek auch das Heim des Künstlers vernichtet, mitsamt seinem großem Konzertflügel, den ihm der Vater zur Hochzeit geschenkt hatte, und dem größten Teil seiner Orchesterwerke. Auch alle umstehenden Häuser wurden damals zerstört und leider nicht wieder aufgebaut.

Hugo Rüters Schaffen ist recht umfangreich, es umfaßt folgende Werke: sieben Symphonien, eine Sinfonietta, die Opern „Eulenspiegel“*, „Frau Inge“ und „Die Schildbürger“, das Singspiel „Unterm Regendach“, ein Oratorium „Maria“ für Einzelstimmen, Chor und Orchester; Musiken zu „König Oedipus“, „Antigone“ und „Philoktetes“ von Sophokles und zu „Alkestis“ von Euripides und die auch gedruckt erschienene „Kaiser-Ouvertüre“. Kammermusik von Hugo Rüter: sechs Streichquartette, sieben Quintette für Streicher und Holzbläser; Sextett für zwei Violinen, zwei Bratschen und zwei Celli; fünf Trios; drei kanonische Suiten für Violine und Viola, 20 Sonaten für Violine und Klavier, 12 Sonaten für Bratsche und Klavier; drei Sonatinen für Violine und Viola; drei Sonaten für Flöte und Klavier; zwei Romanzen für Violine und Klavier (die 1. in A-Dur erschien gedruckt bei Kurt Sauermann, Wandsbek), eine Sonate für Klarinette und Klavier; eine Sonate für Horn und Klavier; zwei Sonatinen für Klavier zu vier Händen und Cello. Klaviermusik von Hugo Rüter: 12 Sonaten, drei Sonatinen und drei Sonaten für Klavier zu vier Händen. Außerdem schrieb er noch folgende Werke: Ouvertüre „Wilhelmus von Nassauen“ und die Suite „Abendständchen“ (für Kavalleriemusik); ein Violinenkonzert; Chinesisch-deutsche Jahres- und Tageszeiten, eine Reihe von Kanons für Bariton und Chor mit Begleitung von Flöte, Klarinette, Horn und Klavier; zwei Arien, Lieder (5 Lieder gedruckt bei Schuberth-Leipzig; 6 Liliencron-Lieder bei Romana-Hamburg 2005), Chöre, weitere Kompositionen, Orgelwerke und eine Klavierschule. Er starb am 25. Dezember 1949 in Mieste Kreis Gardelegen (Altmark, östlich von Wolfsburg). Seine Frau Caroline, geb. 12. Nov. 1860, folgte ihm nach am 3. März 1966 im hohen Alter von 105 Jahren. Das Ehepaar hatte drei Kinder: Raimund (s. unten), Walther (geb. 1888), welcher später in Möln lebte, und Gertrud (geb. 6. Mai 1898, gest. 22. März 1989).

Rüter wohnte im 2. Stock des Hauses Kampstraße 84, die 1951 ihm zu Ehren in „Rüterstraße“ umbenannt wurde, ganz rechts im nebenstehenden Photo (Blinkanzeige). Die dort sichtbaren Häuser sind alle im Kriege vernichtet und nicht wieder aufgebaut worden.

Unten ist im Oval ist zu sehen: die Ehefrau Caroline Rüter (sie wurde 105 Jahre alt), die Tochter Gertrud Rüter und der Komponist. Daneben die Familie Rüter mit Tochter Gertrud und den Familien der beiden Söhne.

Wo sein Wohnhaus stand, ist heute der Eingang der Sporthalle Wandsbek.

Beim 3. Luftangriff am 30. Juli 1943 auf Hamburg wurde fast ganz Wandsbek zu einem Trümmermeer; so wurde z. B. das links abgebildete alte Wandsbeker Rathaus mit anderen prachtvollen Häusern völlig zerstört und nicht wieder aufgebaut. Da auch sein Haus vernichtet war, konnte Rüter, der ein tief romantischer Mensch war, sich sicherlich nicht mehr in Wandsbek zurechtfinden.

Er war deswegen nicht bereit, in Wandsbek eine neue Bleibe zu suchen und wohnte bis zu seinem Tode in dem Bauernhof der Fam. Häusler der Kolonie Lenz bei dem Dorfe Mieste in der Altmark. Die Abb. links zeigt den Bauernhof. An seiner Stelle ist heute nur noch eine leere Stelle mitten im Walde; ein Blitz hatte nämlich eingeschlagen, so daß der schmucke Bauernhof vollständig abbrannte. So ist auch Rüters letzte Wohnung vernichtet. Den heutigen Zustand zeigt die Abb. daneben. Nur noch die Scheue rechts ist erhalten. Seine Frau und Tochter lebten dann in der Riesebergstraße 22 in Mieste, in der Abb. rechts vor dem Wohnungseingang zu sehen.


Caroline, Gertrud, Hugo Rüter um 1918

Links: die Familie Rüter:

von links nach rechts:

hinten: Hugo, daneben Caroline, Gretel und Walther Rüter,

vorne: Gertrud, Emmi und Raimund Rüter mit Kind.

Bauernhof Häusler, Kolonie Lenz,
Hugo Rüters letzte Wohnung,
ca. 1948


Kolonie Lenz,
Mai 2005, von der umgekehrten Richtung aus

Wohnhaus von Caroline und Gertrud Rüter
in Mieste bei Gardelegen, Riesebergstraße 22

Die Abb. links zeigt die Gegend um die Kirche St. Michaelis, wo Rüter geboren wurde, vom Schaarmarkt her gesehen (Gemälde von Rob. Kammerer, um 1880?). Die Abb. rechts zeigt den Titel des Textbuches zu Rüters Oper „Eulenspiegel“. Das Buch wurde 1906 vom Verlag Fr. Puvogel in Wandsbek gedruckt.

* Die Ouvertüre zu „Eulenspiegel“ wurde von G. Helzel eingespielt und ist auf den Rüter-CDs enthalten.

Zudem spielte G. Helzel noch von Hugo Rüter ein:

die 1., 2. und 5. Klaviersonate, die Ballade, 2 Lieder aus „Sommerfäden“ op. 1 und die 6 Lieder nach Texten von Detlef von Liliencron.

Beispiele zum Anhören:

Ballade von Hugo Rüter (Ausschnitt) zum Herunterladen / Hugo Rueter's Ballad (part) for download

Hugo Rüter, 3. Symphonie, Anfang (4 Min., 1 MB). Verbesserte Einspielung 2006. (Unter Verwendung von Gary Garritan's "Garritan Orchestral Strings™".)

Hugo Rüter, Sonate 1 für Klavier, Anfang (ca. 1 Min., 713 kB).

Hugo Rüter, Trauermarsch (3. Satz der 2. Symphonie, Anfang, ca. 2 Min., 713 kB).

 

Blumenbild von Gertrud Rüter

Video-Film über Hugo Rüter, für Windows ME und XP (Kurzfassung ca. 4 min., wmv-Datei 3,12 MB).

 

DVD über Hugo Rüter mit der langen Fassung (44 min) mit seltenen Bildern von Wandsbek und Hamburg, Euro 17,-.

 

Hugo Rüter, CD 1. Enthält: Klavier-Sonate Nr. 1, 2, 5; Ballade; Romanze A-Dur für Violine und Klavier; 2 Lieder aus „Sommerfäden“ op. 1 (Paul Schmolke, Bariton); 6 Lieder nach Gedichten von Detlef von Liliencron (Ursula Henke, Sopran); Vorspiel zur Oper „Eulenspiegel“ (Original-Orchesterfassung). Einspielung von Gerhard Helzel. € 12,50 + 2,00 Porto.

Notenbeispiel: „Luisenlied” (Hugo Rüter), PDF-Datei 245 kB, kostenlos herunterzuladen (bitte auf Notensymbol klicken):Weitere Noten von Hugo Rüter.

 

Hugo Rüter, 3. Symphonie a-moll. Diese 1930-32 entstandene „Pathetica“, wie man sie vielleicht nennen könnte, wurde von Rüter und seinem Sohn Raimund für verbrannt gehalten. Gerhard Helzel hat sie wiederentdeckt und den Notensatz erstellt. Er sieht sie als Meisterwerk an. Danach hat sie nun das Wandsbeker Sinfonieorchester unter Eva Caspari eingespielt. Neueinspielung, zusammen mit: Romanze A-dur für Violine mit Orchesterbegleitung und Ouvertüre zur Oper „Eulenspiegel“, nur € 15,00 + 2,00 Porto.

Hugo Rüter, 3. Symphonie a-moll wie oben, aber als Film-Ausgabe auf DVD. Einspielung vom 25. Mai 2009,
Rudolf-Steiner-Schule Bergstedt, € 18,00 + 2,00 Porto

Die CD enthält nun auch ein Orgelwerk Rüters: die Sonate Nr. 2 für Orgel und Violine von 1942 (15 min). Es ist das einzige Orgelwerk Rüters, das noch vorhanden ist.

Die Sonate Nr. 2 für Orgel und Violine als Partitur, erstmals herausgegeben. € 8,00 + Porto.

 

Neu: ! Hugo Rüter, 2. Symphonie B-dur von 1896. UA 4.2.1930 im „Wandsbeker Hof“ durch den „Hamburger Orchesterverein“ unter Emil Leichsenring. Ersteinspielung € 20,00 + 2,00 Porto. Auch als Partitur erhältlich.

Bitte anklicken Anfang der 2. Symphonie zum Anhören und Herunterladen

Besprechung der Symphonie von Hugo Rüter (1930):

Die Sinfonie wurde schon 1896 geschrieben. Sie war damals Herrn Prof. Julius v. Bernuth gewidmet, einem der wenigen Menschen, die den Verfasser (= Rüter) durch ein wirklich ästhetisch wertvolles und von einem gütigen und verstehenden Herzen eingegebenes Urteil in seiner Künstlerschaft förderten...

I. Satz:

Der erste Satz der Sinfonie, Moderato assai e grandioso — 2 Halbe Takt— beginnt mit einem energisch aufstrebenden, wuchtigen Quinten- und Quartenmotiv in punktierten Rhythmen. Das Thema reckt sich in den Geigen bis zum viergestrichenen c empor und fällt dann wieder in Quintenschritten ab. Ihm gesellt sich gleich anfangs in den Bläsern als Gegensatz ein ruhig zumeist in Halben herabgleitender Gang, da im Verfolg verkleinert zu Tonleiterpassagen wird. Nach dem ersten Auf- und Abstieg setzt das Thema wieder in den Bässen ein, weiterhin mit Imitationen; der Quintschritt erscheint noch oft im Baß, verbunden mit den sich immer verkleinernden Tonleitergängen, bis eine auch an das erste Thema gemahnende Partie in Ges- und Ces-dur mit einer in den Oboen erklingenden Terzenmelodie und dem überleitenden übermäßigen Sextakkord in das gesangreiche 2. Thema (F-dur) ausmündet. Es tritt zuerst in den Geigen auf, wendet sich dann mit Imitationen zur Dominante von Des-dur und kommt wieder in einer Triolen-Figuration der Geigen, während das Horn dazu die ursprünglichen Noten hat. Diese Triolen schwingen sich allmählich weiter hinauf und laufen schließlich wieder in die ruhigen Gänge des Anfangs aus, wozu der Baß seine Quinten- und Quartenschritte macht; ein auch dem ersten verwandtes Trompetenmotiv schließt den Teil energisch ab. Die Durchführung bringt zunächst ein Gegenthema, das gleich darauf in den Klarinetten zu bem uergröüerten 1. Thema der Celli erklingt. Daran schließen sich Verkleinerungen des Anfangsmotivs, die in leidenschaftlichem Aufbäumen, begleitet von wuchtigen Oktavschlägen, zu immer größerer Steigerung führen — die Posaunen bringen dazu noch das breite Gegenthema — bis mit einem ff einsetzenden Paukenwirbel wieder die ruhig hinabgleitenden Gänge des Anfangs erscheinen, welche choralartige Akkorde alter Blechbläser abschließen. Dann leitet ein Hornsolo (das vergrößerte 1. Thema) in die Reprise über. Das erste Thema hat hier 6/4 Takt, wozu die großen Triolen, die gleich anfangs darin vorkommen, den Anlaß gaben. Der Verlauf bis zum 2. Thema ist ähnlich wie im ersten Teil, nur gekürzt. Das 2. Thema setzt zuerst in D-dur ein und wendet sich dann nach B-dur. Eine Coda (Presto) ist der Durchführung entnommen, mit dem verkleinerten Anfangsmotiv und dem breiten Gegenthema. Der Schluß hat wieder das erste Tempo und die ruhigen Abwärtsgänge des Anfangs über einem Orgelpunkt F. ch. Die beiden letzten Takte bildet nochmals der verbreiterte steigende Quintschritt.

II. Scherzo

Allegro molto 6/8 D-dur. Die Oboe beginnt mit einem einleitenden Viertakter, der mit einer Fermate endet, dann fetzt das eigentliche Thema in den Geigen ein. Ein darin vorkommender Achtellauf, der eine Sexte hinauf geht, wird im 2. Teil verarbeitet, er bildet auch den Schluß im Baß bei einem Nebenthema, das zuerst in A-dur, dann in F-dur erscheint. Am Schluß des Teils sind Haupt- und Nebenthema verbunden. Das Trio ist ein Fugato in B-dur. Das Thema hat mit seinem Quintschritt wieder Verwandtschaft mit dem Kopfthema des ersten Satzes. Die Trompete stimmt es zuerst an, dann folgen Horn, Posaune und Bässe. Eine Art von Sonaten-Durchführung bringt dann das Fugenthema und das Nebenthema zusammen, worauf die Wiederholung des Scherzo folgt. Gegen den Schluß sind alle drei Themen vereinigt: das erste Thema ist in den Geigen, das Nebenthema in den Holzbläsern und das des Fugatos in der Trompete.

III. Trauermarsch mit Variationen

Grave 4/4 g-moll. Zwei Pianoviertel, denen ein mit drei Zweiunddreißigsteln beginnender unheimlich fortwirkender Auftakt zuwächst; drei schmerzlich aufzuckende krasse Akkordfolgen bis in die neapolitanische Sexte As-dur gesteige, danach ein Absinken und die Wiederkehr des Anfangs mit einer Gipfelung bis zum ff, zum Schluß ein Sichverlieren: das ist das Thema. Die Variationen bringen immer einen anberen Gedanken an Lob und Vergänglichkeit zum Ausdruck. In Var. I 12/8 singt die Oboe wehmütige Klage. Var. II 9/8 B-dur bringt sanfte Tröstung, die sich aber schwer dem Herzen entringt, mehrmals brechen die sonst glatt hinfließenden Achtel mit einem rit. und pp. ab. Var. III Terzen in den Bläsern repräsentieren das Thema, darüber singen die Geigen eine Melodie wie ein Wiegenlied, „Auf dem Kirchbof will ich liegen, wie das Kindlein in der Wiegen, das die Lieb tut wiegen ein“. Var. IV Allegro non troppo 1/4 b-moll ist in die Mitte hineingebaut, man könnte darüber schreiben: „Ach wie nichtig, ach wie flüchtig ist des Menschen Leben“. Es folgt der Schluß von Var. III mit einem choralartigen Uebergang. Var. V Allegro molto im alla breve Takt b-moll stürmt wild dahin: „Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, erblühet wie eine Blume auf dem Felde, wenn der Wind darüber gehet, so ist sie immer da". In Var. VI Moderato 1/4 G-moll sucht die Sologeige sich über dem melancholischen Anfang der Celli mit neuer Kraft zu erheben; dann folgt eine Ueberleitung: zu einem Orgelpunkt der Pauke erscheinen kurze Andeutungen des Themas, der Variationen I—IV, daran schließt sich Var. VII quasi coda Andante sostenuto 4/4 G-dur, es ist das 2. Thema des ersten Satzes der Sinfonie, frei behandelt klingt es leise wie in Trost und Verklärung aus.

IV. Finale.

Dieser letzte Satz voll starker Lebensbejahung, Presto, 2 Halbe Takt, hat ein erstes Thema, das zuerst in scharf gezackten Rhythmen abwärts führt, dann sich mit energischen Sextenschritten wieder emporschwingt; gleieb darauf erscheint es in den Bässen mit straffen Akkordschlägen darüber. Eine kanonische Partie leitet dann ins gesangreiche 2. Thema, F-dur, hinüber, und ein leidenschaftliches Synkopenmotiv führt in den Schluß des Teils. In der Durchführung bringt ein poco tranquillo das I. Thema des Satzes in b-moll, darauf in a-moll mit dem des Trauermarsches zusammen. Es folgen Sequenzenbearbeitungen des Apokopenmotivs, zu dessen Triolenausmündung das Nebenthema der kanonischen Überleitung kommt. Am Schluß der Durchführung tritt nochmal das 2. Thema des ersten Satzes noch in den Geigen zu bem 1. Thema des letzten in den Bässen auf. In der Wiederholung ist das an sich schon melodisch langatmige 2. Thema noch mehr ausgeweitet. Der Satz endet, nach einem stringendo, mit einer Vergrößerung des Anfangs vom Haupt-Thema.

Hugo Rüter, „Aus Einsamkeiten“, Gedichte. Taschenbuch, 94 Seiten, Fraktursatz, € 12,00 + 2,- Porto (Abb. rechts).

Hugo Rüter, Biographie, (Autobiographie mit Anmerkungen von Raimund Rüter, Wolfgang Hoyer, Gerhard Helzel). Geheftet, Farbumschlag, 4 SW-Tafeln, 32 S., Euro 8,-.

Noten von Hugo Rüter:

Hugo Rüter, „Sommerfäden“ op. 1: 5 Lieder für eine mittlere Stimme und Klavier, Facsimile der 1. Auflage von 1898, € 10,50.
Hugo Rüter, „
Während Lieder schallen“, Eine Reise von Gesängen in Begleitung von Klavier und Geige. 1. Auflage 2001, € 12,-.
Hugo Rüter, 1. Klaviersonate, erstmals gesetzt, € 15,-. 2. Klaviersonate, erstmals gesetzt, € 18,-. Ballade, erstmals gesetzt, € 5,-. 5. Klaviersonate, erstmals gesetzt € 25,-.
Hugo Rüter,
6 Lieder nach Texten von Detlef von Liliencron, erstmals gesetzt € 18,-.
Hugo Rüter,
Vorspiel zur Oper „Eulenspiegel“, Orchester-Partitur, neu gesetzt, € 15,-.
Hugo Rüter, Sonate Nr. 2 für Orgel und Violine als Partitur, erstmals herausgegeben. € 8,00 + Porto.

Hugo Rüter, Partitur der 3. Symphonie, 149 S. Ringheftung oder kartoniert A4, Euro 50,- + Porto (Abb. links).

Notenbeispiel: „Luisenlied“ (Hugo Rüter), PDF-Datei 225 kB, kostenlos herunterzuladen

Sein Sohn Raimund Rüter (rechts) war ebenfalls Komponist. Er wurde am 31. August 1886 in Wandsbek geboren. Seinen ersten Unterricht empfing er von seinem Vater; später war er in einem niederrheinischen Ort, wo er als Kaufmann arbeitete, Schüler eines Kirchenmusikers. Im 1. Weltkriege stand er vier Jahre als Soldat an der Front. Nach dem Kriege vervollständigte er seine musikalische Ausbildung. Kompositionen von Raimund Rüter: Sechs Werke für Bläser; Kleine Blasmusik für Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott und Horn; Suite, für Flöte, Oboe, Klarinette und Fagott; Suite für Flöte, Oboe, Klarinette, Fagot und Horn-Trio für Oboe, Klarinette und Fagott; Variationen über „Wenn jemand eine Reise tut“ für Flöte, Oboe, Klarinette und Fagott; ein Streichquartett; drei Walzer für kleines Orchester; drei Lieder für eine Singstimme und Orchester mit Harfe (nach Texten von Johanna Wolff), „Deutsche Schicksalswende“, eine Reihe von acht Liedern für gemischten Chor; „Der Ostlandwind“ für gemischten Chor oder Männerchor, verschiedene Klavierkompositionen, und etwa 20 Chorwerke und rund 400 Lieder, Gesänge und Duette nach Texten von Matthias Claudius, Brentano, Eichendorff, Klaus Groth, Storm, Dauthendey, Löns, Ricarda Huch, Hans Friedrich Blunck, Heinrich Andresen. Raimund Rüter, der als Kaufmann in Bremen lebte, stellte im Jahre 1961, in seinem 75. Lebensjahre, das Werkverzeichnis** der Werke seines Vaters zusammen. Er wohnte in Bremen bis zu seinem Tode am 10. Juli 1968 in der Ingelheimer Straße 61. Seine Frau Emmi geb. Koch starb ein Jahr später, am 18. Juli 1969. Der Verbleib des Nachlasses, der auch einen großen Teil der Werke seines Vaters umfaßte, ist nicht bekannt.

Raimund Rüter hatte zwei Kinder: eine Tochter namens Gisela verh. Sauthoff, und einen Sohn namens Hugo Friedrich Rainer, der 1945 in der Sowjetunion als vermißt gemeldet ist. Dadurch wurde die Arbeit an Hugo Rüters Werk nicht msehr fortgesetzt.

Raimund Rüter, „Spruch“, Lied für Tenor und Streicher (Text von Hans Friedrich Blunck), Anfang 1 MB.

Zu den Wandsbeker Komponisten gehört auch
Fritz Glamann, geb. 29. 10. 1899, gest. 10. 11. 1969, zuletzt Organist der Wandsbeker Kreuzkirche. Er schrieb eine Oper „Walter“, 2 Symphonien (eine in c-moll, eine in d-moll, erstere uraufgeführt 1925 in Hamburg und in Wandsbek am 4. 2. 1930 im Anschluß an die 2. Symphonie Rüters, jeweils unter dem Dirigenten Emil Leichsenring), viele geistliche und weltliche Werke, die zum Teil leider durch Feindeinwirkung verbrannt sind.

** Das Werkverzeichnis Hugo Rüters als PDF-Datei 32 kB zum kostenlosen Herunterladen.

Dipl.-Ing. Gerhard Helzel, Timm-Kröger-Weg 15, D-22335 Hamburg, Tel. 040-505374.

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