Hugo Ulrich

(26. 11. 182723. 5. 1872)
Komponist, Musiklehrer, Arrangeur.

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CD 27) Hugo Ulrich (18271872), „Symphonie triomphale“. Diese preisgekrönte Symphonie, die zur Hochzeit des Herzogs von Brabant, des späteren Königs Leopold II. von Belgien, mit der Erzherzogin Marie Henriette von Österreich komponiert und am 24. Sept. 1853 in Brüssel uraufgeführt wurde, war als Meisterleistung damals preisgekrönt und leider später zu Unrecht vergessen worden. Ich biete Ihnen die einzige und gleichzeitig erste Einspielung der gesamten Symphonie auf CD, in sehr guter Qualität. Spieldauer 37’52. Nur € 16,00 + 2,00 Porto.

Die Symphonie hat die Sätze: 1) Allegro moderato ed energico...7'58. 2) Vivace...14'36. 3) Adagio...8'17. 4) Finale: allegro molto...6'56.

Der 1. Satz trägt die Bezeichnung Allegro moderato ed energico und übertrifft durch seine gewaltige Wirkung viele andere große Symphonien. Der 2. Satz ist ein sehr schnelles Scherzo und trägt die Tempobezeichnung Vivace. Eingearbeitet ist ein sehr schönes Trio. Der 3. Satz steht im langsamen Adagio. Der 4., am Anfang schnell zu spielende Satz ist überschrieben: Finale: allegro molto. Die Symphonie klingt aus mit der feierlich vorgetragenen Melodie des Chorals „Nun lobet alle Gott“ im Zeitmaß maestoso.

Was die Symphonie vor allem auszeichnet, ist ihre heitere und gleichzeitig erhabene Stimmung. Es ist viel leichter, eine tragische Symphonie zu schreiben als eine heitere, wie es hier nötig war, und Ulrich hat die sonst als schwierig erachtete Aufgabe mit Bravour gelöst.

Zum kostenlosen Herunterladen:

1. Satz der Symphonie triomphale, Anf., mp3-Datei 1,4 MB, 3 1/2 min

2. Satz der Symphonie triomphale, Anf., mp3-Datei 1,13 MB, 1min 25 sec

Hugo Ulrich, geb. 26. 11. 1827 Oppeln, gest. 23. 5. 1872 Berlin, Schüler des Breslauer Universitätsmusikdirektors und Gründers der dortigen Singakademie Johann Theodor Mosewius (*25. 9.1788 in Königsberg; † 15. 9. 1858 in Schaffhausen) in Breslau und des Theoretikers Wilhelm Dehn (* 24. 2. 1799 in Altona; † 12. 3. 1858) in Berlin, 1859 bis 1863 Lehrer der Komposition am Stern’schen Conservatorium daselbst, schrieb u.a. drei Symphonien, eine Fest-Ouvertüre in C-dur (erschienen bei Leuckart in Breslau), Chöre und Klavierstücke, z. B. ein Klaviertrio und ein Scherzo. Eine Oper „Bertran de Born“ blieb unbeendet. Von den Symphonien machte die erste in h-moll die Runde durch die meisten bedeutenden Konzertinstitute Deutschlands, und mit seiner zweiten, der sehr wirkungsvollen und beliebten „Symphonie triomphale“, komponiert zur Hochzeit des Herzogs von Brabant und der österreichischen Erzherzogin Marie Henriette, gewann er 1853 den von der Kgl. Belgischen Akademie ausgeschriebenen Preis von 1500 Frc., und die Uraufführung am 24. 9. 1853, der er beiwohnte, brachte ihm zugleich den begeisterten Beifall des Publikums, worauf die Symphonie von da an mit immer wiederkehrendem Erfolg aufgeführt wurde. Trotz seiner großen Begabung, die er zeigte, konnte er aber keinen geeigneten Förderer finden und verkam daher im Laufe seines Lebens unter einfacher „Handwerkerarbeit“, indem er Arrangements, die heute noch benutzt werden, schrieb. Eine Nierenkrankheit raffte ihn zu früh dahin, er wurde nur 45 Jahre alt. Rr war in Berlin beerdigt auf dem Katholischen Kirchhofe an der Liesenstraße (Berlin-Wedding). Seine Wohnung war zuletzt in der Louisenstraße 63.III, wobei zu bemerken ist, daß er im Berliner Adreßbuch mit 2 „l“ (Ullrich) geschrieben war. Sein Grab ist inzwischen aufgelöst.

Durch die Ungunst der Zeit ist Ulrich in der Musikwelt heute nur noch bekannt über seine zahlreichen Arrangements (Klavierbearbeitungen) klassischer Symphonien, z. B. Beethoven und Haydn, für Klavier 4-händig. Die Schuld daran muß man vielen nach 1950 auftretenden Musikberichterstattern geben, welche aus Unkenntnis und eigener fachlicher Mängel manch vortrefflichen Romantiker aus vielen Musikwerken tilgten.

Lebenslauf nach Hermann Mendel:

Ulrich, Hugo, einer der begabtesten Componisten der Gegenwart, wurde am 26. Novbr. 1827 zu Oppeln in Schlesien, wo sein Vater Gymnasialoberlehrer war, geboren. Beide Eltern waren für Musik begeistert; der Vater als Clavierspieler geschätzt und die Mutter sing namentlich Mozart'sche Arien mit viel Geschmack und Verständniss. Diese ersten Eindrücke im elterlichen Hause waren natürlich von entscheidendem Einfluss auf seine spätere Laufbahn. Nachdem er im neunten Jahre bereits seinen Vater verloren hatte, ertheilte ihm der Rector Kotzoldt Clavier- und Orgelunterricht, und seine Fortschritte hierin waren so ausserordentlich, dass die Einsichtigern unter seiner Umgebung über den späteren Beruf des aussergewöhnlichen Knaben keinen Augenblick im Zweifel waren. Kaum zwölf Jahre alt verlor er auch die Mutter durch den Tod, und so wurde er früher als unter gewöhnlichen Verhältnissen in den Kampf des Lebens hinausgeführt. Er kam zunächst auf das Gymnasium St. Matthias und ward in das mit demselben verbundene Convict aufgenommen, in welchem arme Schüler Unterhalt und freien Unterricht erhalten, wofür sie die Kirchenmusik auszuführen haben. Er wirkte hier als Altist und hatte beim Gymnasialgottesdienst die Orgel zu spielen. Hier erhielt er auch den ersten Unterricht im Generalbass durch den damaligen Domorganisten Brosig. Die Musik nahm ihn nunmehr bald so gefangen, dass er sich jetzt schon ihr ganz zu widmen entschlossen war; allein dem widersetzten sich Vormund und Verwandte ganz entschieden. Ulrich ging 1846 nach Glogau, um hier seine Gymnasialbildung zu vollenden, und Ende desselben Jahres nach glücklich bestandenem Abiturientenexamen bezog er die Universität Berlin, aber mit dem entschiedenen Vorsatz, sich ganz der Musik zu widmen. Er war von dem Breslauer Universitätsmusikdirektor Mosewius an Marx gewiesen, allein da er zu unbemittelt war, um Honorar zahlen zu können, nahm ihn Marx nicht zum Schüler an. Auf die Verwendung von Meyerbeer genoss er aber den Unterricht Dehn's durch länger als zwei Jahre, und dieser wurde so fruchtbringend für ihn, dass er mit seinen ersten Werken für Kammermusik schon (das Dehn gewidmete Trio op. 1) wie mit seinen beiden Sinfonien das allgemeinste Aufsehen erregte. Seine H-moll-Sinfonie, welche 1852 erschien, machte bald die Runde durch die meisten bedeutenden Concertinstitute Deutschlands und mit seiner Sinfonie triomphale gewann er 1853 den von der Königl. Belgischen Akademie zu Brüssel ausgeschriebenen Preis von 1500 Frc. und die erste Aufführung der Sinfonie in Brüssel am 27. Septbr. 1853, der er beiwohnte, brachte ihm zugleich den begeisterten Beifall des Publikums; den gleichen Erfolg hatte die Sinfonie bei jeder Aufführung an den verschiedenen Orten, und mit den gespanntesten Erwartungen sah man neuen Schöpfungen des jugendlichen Componisten entregen, Ulrich hatte sich in diesen Werken vollständig als Künstler von Gottes Gnaden offenbart, dass man das Höchste von ihm glaubte erwarten zu müssen. Dass er diese Hoffnungen nicht erfüllte, verschuldet zumeist die Erbärmlichkeit unserer gesammten Musikverhältnisse, die nur die Mittelmässigkeit trägt und begünstigt, bedeutendere Naturen aber zum erbittertsten Kampfe nöthigt. Ulrich war eben zu bedeutend, um von unsern modernen Musikverhältnissen getragen zu werden, aber er hatte auch den Muth nicht, mit ihnen auf Tod und Leben zu kämpfen und so verkam er trotz seiner herrlichen Begabung leider unter Handwerkerarbeit. Im September 1855 war es ihm endlich beschieden, das Land seiner Sehnsucht, Italien, zu sehen, das er mit den grossartigsten Plänen zu neuen Werken betrat; er lebte in Venedig, Turin, Genua, Rom und Mailand, und nachdem er sich zuerst ganz dem ungetrübten Genuss des Wunderlandes hingegeben hatte, begann er auch wieder zu arbeiten. Eine Oper: »Bertran de Born«, zu der ihm Max Ring den Text geschrieben hatte, beschäftigte ihn neben andern ernsthaft, bis ihn die äussern Umstände wieder nach Deutschland trieben. Im März 1858 kam er wieder nach Berlin zurück und sah sich bald von dem Ernst des Lebens so erfasst, dass ihm die Schaffensfreudigkeit seiner Jugendjahre ganz vollständig verloren ging. Unterricht zu ertheilen war ihm so widerwärtig, dass er es bald vollständig aufgab, nur kurze Zeit war er als Lehrer am Conservatorium thätig; dann aber führte er, um sein Leben zu fristen, Arrangements für Clavier aus. Diese gehören zum Besten, was auf diesem Gebiete zu leisten ist; aber er selbst ging dabei zu Grunde. Wohl brachte er noch den grössten Theil seiner Oper fertig, auch neben manchem Andern eine dritte Sinfonie in G-dur, allein Zeit und Menschen hatten ihm alle Lust am Schaffen geraubt, er vermochte nichts mehr zu arbeiten, was seinen ersten Werken auch nur entsprach. Dazu zeigten sich in den letzten Jahren seines Lebens bereits die ersten Spuren der fürchterlichen Krankheit, einer schmerzhaften Nierenkrankheit, der er am 23. März 1872 erlag. Er ruht in Berlin auf dem Katholischen Kirchhofe in der Liesenstrasse. Wenn es auch eines günstigern Geschicks bedurfte, um alle die Hoffnungen zu erfüllen, die man auf ihn setzen konnte, so hat er doch auch mit dem, was er hinterliess, sich ein Gedächtniss gestiftet in der Geschichte seiner Kunst.

Abb. links: An der Stelle des heutigen Hochhauses des Berliner Charité-Krankenhauses Luisenstraße 63 stand Hugo Ulrichs Wohnhaus, wo er im 3. Stock wohnte.

Werkverzeichnis Hugo Ulrich  (nach F. Pazdirek):

Abb. rechts: 1. Seite der Symphonie triomphale (Neusatz 2007)zum Vergrößern anklicken

Op. 1: Trio (C), PVVc 10.75 Heinrichshofen.
— 3 Scherzo, P 2-.
— 4 Serenade, P 1.75.
— 5 Sonate, PVc .7.25 Heinrichshofen.
— 6 Sinfonie Nr. 1 (H-moll), P 7-, O, Part 12, St 16- Bote.
— 7 Quartett (Es); 2VVaVc 6-.
— 8 Fünf Lieder 2.50: Nr. 1. Nähe des Geliebten -75. Nr. 2. So schmerzlich zuckt’s um deine Lippen -75.  Nr. 3. An den Mond -75. Nr. 4. Volksweise „Maria gib mir Blumen“ 50. Nr. 5, Geistliches Abendlied „Es ist so still geworden“
— 9 Symphonie triomphale en Ut, O, Part 9-n p. s. 10.5 n, 4ms 7.25 Schott,  op. 9 und op. 6, 4ms 2- Peters. -
— 10 Drei Lieder 2-: Nr. 1. Mailied -50. Nr. 2. O frage nicht! -75. Nr. 3 Lied auf der Wacht -7
— 11 Fünf Gesänge 2.50: Nr. 1. Geh’ zur Ruh’ -50., Nr. 2. Lazzaroni-Lied 60. Nr. 3. Abend am Meere -75. Nr. 4. Fröhliche Fahrt -75. Nr. 5. Das Abendläuten. 75, Nr. 1, P übertr. 1-.
— 12 Nr. 1. Stromfahrt, TTBB, St -60.
— 13 Abendlieder, P: Nr. 1. Preghiera (Es-dur) 1.50. Nr. 2. Nocturne (As-dur) 2-.
— 14 Drei Klavierstücke: 1.1 Barcarole (As-dur) neue Ausgabe, 2, Ballade (E-moll), 3. Capriccio 2-
— 15 Fest-Ouvertüre (C-dur) Part 4-n, St 9.50 n, KA, 4ms 2.50.
—16 Scherzi (H-dur), P 2.50.
— Caliph of Bagdad (Boieldieu), overture, P -70 Ditson.
— Chansonnette, P-75 Hofmeister.
— Finale aus der Symphonie triomphale, O, Part 3- n, St 4- Oertel.
— Introduktion und Allegro aus der 1. Symphonie. (H-moll) op. 6, HP (A. Reinhard) 4- Simon.
— Fest-Ouvertüre in C-dur, O, Leuckart/Breslau.
— Symphonie Nro. 3 in G-dur.
— Spocznij w snie. Geh’ zur Ruh. (Troska serca glówka plonie. Sorgenvolle wetterschwüle Mädchenstirne.) -20 Gebethner.

Abb. rechts: Titelblatt der Symphonie triomphale (Schott, Mainz 1853)

6) Hugo Ulrich: Video-Clip über Hugo Ulrich, für Windows ME und XP (ca. 5 min., wmv-Datei 4,9 MB).

English site for Hugo Ulrich: http://www.bach-cantatas.com/Lib/Ulrich-Hugo.htm

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