Friedrich Müller

(10. Dezember 1786 - 12. Dezember 1871)

Klarinettist und Violoncellist, Dirigent (Hofkapellmeister), fürstlicher Musikdirektor, Komponist.

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Friedrich Müller,1. Symphonie in Es-Dur, 1. Satz Anfang, eingespielt von G. Helzel, mp3-Datei 1,1 MB (zum kostenlosen Herunterladen)

Auf CD ist zur Zeit erhältlich:

Salomon Jadassohn, 1. Symphonie, 1. Satz, zusammen mit: Friedrich Müller, 1. Symphonie, 1. Satz, Euro 12,- + Versand.

 

Artikel von Hermann Mendel (1879):

Friedrich Müller, geb. 10. 12. 1786 in Orlamünde als Sohn des dortigen Stadtmusicus, gest. 12. 12. 1871 in Rudolstadt, Dirigent und Komponist. Er wurde schon 1802 nach Rudolstadt berufen und als Violoncellist und Clarinettist bei der Kapelle angestellt. Nach dem Tode des Kapellmeisters Eberwein 1831 wurde er zum Dirigenten der fürstlichen Kapelle mit dem Titel Musikdirektor ernannt, und 1835 zum Hofkapellmeister. 1853 wurde er zu seinem 50jährigen Dienstjubiläum zum fürstlichen Rath ernannt, 1854 Ruhestand. Er schrieb 2 Symphonien, Konzerte, Variationen und andere Stücke für Clarinette, Fagott und Horn etc.

Abb.: Altstadt von Orlamünde

Lebenslauf nach Hermann Mendel (1879):

Müller, Friedrich, geboren am 10. Decbr. 1786 zu Orlamünde im Herzogthum Sachsen-Altenburg, war der Sohn des dortigen Stadtmusicus. Schon 1802 wurde er nach Rudolstadt berufen und hier als Violoncellist und Clarinettist bei der Kapelle angestellt. Später wurde er Führer der zweiten Violine und erhielt den Titel eines Hofmusicus, bevorzugte aber nach wie vor die Clarinette, welche er mit grosser Virtuosität behandelte. In Folge seiner umfassenden praktischen Kenntniss der Instrumente erhielt er 1816 den Auftrag, die Militärmusik neu zu organisiren und unterzog sich dieser Aufgabe mit so viel Eifer und Geschicklichkeit, dass er mit der Leitung der Militärmusik und der Direktion der Hofblasemusik betraut und zum Kammermusicus ernannt wurde. Als 1831 der Kapellmeister Eberwein starb, wurde er zum Dirigenten der fürstl. Kapelle mit dem Prädikat als Musikdirektor befördert, und 1835 ernannte ihn der Fürst zum wirklichen Hofkapellmeister. 1853 wurde ihm zur Feier seines 50jährigen Dienstjubiläums der Rang eines fürstl. Rathes verliehen; im folgenden Jahre trat er in den wohlverdienten Ruhestand. Auf seinen Kunstreisen, die er als Clarinettist in seinen jungen Jahren unternahm, trat er in Berührung mit den ausgezeichnetsten Künstlern der Zeit, wie L. Spohr und Fr. Schneider, und blieb auch in der Folge in freundschaftlichen Beziehungen zu denselben. Von seinen zahlreichen Compositionen sind hervorzuheben zwei Sinfonien für grosses Orchester, ein Preisquartett für Clarinette, Violine, Viola und Violoncell, mehrere Hymnen für Gesang und Orchester, besonders aber viele Bravourstücke für Blasinstrumente, namentlich für die Clarinette.

Lebenslauf von Robert Eitner (Biographisch-Bibliographisches Quellenlexikon der Musiker und Musikgelehrten):

Friedrich Müller, ein tüchtiger Componist und berühmter Clarinettist, geb. am 10. Decbr. 1786 zu Orlamünde. Den ersten Musikunterricht genoß er von seinem Vater, der Musikus in Orlamünde war, wahrscheinlich Stadtmusikus. 16 Jahre alt wurde er in der rudolstädtischen Hofcapelle als Clarinettist und zugleich als Violoncellist angestellt und erhielt von dem trefflichen Heinrich Christoph Koch (Bd. I0’1 S. 383) theoretischen Unterricht. Bald erhielt er den Titel Hofmusikus und wurde Vorgeiger an der zweiten Violine. Im J. 1816 wurde ihm vom Fürsten der Auftrag die Militärmusikcapelle zu reformiren und erhielt er deren Oberleitung. Auch als Componist machte er sich bekannt, anfänglich durch Solostücke für die Clarinette mit Begleitung, später durch mehrere Sinfonien, Opern, Concerte für verschiedene Instrumente, Lieder, Chöre, auch ein [529] Choralbuch. Ueber die Sinfonie in Es-Dur berichtet die Allgemeine musikalische Zeitung in Leipzig im J. 1842 (S. 120), als sie im Gewandhausconcert in Leipzig zur Aufführung gelangt war, auch im Druck bei Hofmeister erschienen: „Die Sinfonie von M. verdient alle Anerkennung. Sie bewies wieder einmal recht deutlich, wie Natürlichkeit in der Erfindung, Klarheit und Verständlichkeit in der Arbeit die Wirkung jedes Kunstwerkes wesentlich fördern. Besonders rühmen müssen wir aber auch noch die geschmackvolle und höchst praktische Instrumentirung; ein Vorzug, den man bei neueren Orchesterwerken nicht immer findet und die der Orchesterkenntniß des Componisten große Ehre macht.“ – Im J. 1831 erhielt er den durch Eberwein’s Tod vacant gewordenen Capellmeisterposten, ließ sich 1854 pensioniren und starb dort am 12. Decbr. 1871, 85 Jahre alt.

 

Werkverzeichnis

(nach Pazdírek)

Gedruckte Werke Friedrich Müllers:
op. 6: Trios pour 3 Cors
op. 10: Konzert für Cl+Ob (Es)
op. 11: Konzert für Cl+Ob (B)
op. 20 Konzertino Cl+Ob (B)
op. 21 Potp. Cl+Ob (B)
op. 22 Konzertino Nr. 2 Cl+Ob (F)
op. 28 Harmoniestücke
op. 29 Thema mit Var. FaOb (B)
op. 30, 6 Stücke f. 4 Hörner
op. 31 Konzertante Nr. 2
ClHorn(Fa)Ob (Es)
op. 33 Etüden Cl
op. 36 6 Stücke, 3 Hörner
op. 44 Concertante 2ClOb
op. 52 Ière Symphonie (Es)
(1840)
op. 54 IIme Symphonie (C-m)
op. 74 Stille Liebe, Polka
op. 77, 6 kleine Tonstücke 2Vc
op. 80 Preis-Quartett ClVVaVc

Etüden Cl
Introduction u. Thema mit Var. Cl2VVaVc F-dur
Konzertante Nr. 1 ClHornOb Es-dur
Orchesterstudien Cl (hervorragende Stellen aus Opern
und Orchesterwerken)
Phantasie über einen Schweizer Hirtengesang ClOb

Abb. rechts: Titel der 1. Symphonie op. 52

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